Die Ankündigung, dass Mainz 05 an den Spielen gegen eine chinesische U-20 Auswahl teilnehmen wird, hat in den vergangenen Tagen für einigen Gesprächsstoff gesorgt. Ein offener Brief mehrerer Fanvertretungen hat die Entwicklung bereits kritisch beleuchtet und auch wir möchten die Gelegenheit nutzen, um ausführlich zu erklären, warum wir dieses DFB-Projekt und eine Teilnahme von Mainz 05 daran deutlich ablehnen.

Zunächst einmal richtet sich unsere Kritik sicherlich nicht gegen irgendeine U20 Mannschaft, die Testspiele absolvieren und jungen Fußballern die Gelegenheit geben möchte, sich sportlich weiter zu entwickeln. Niemand hat damit ein Problem, im Gegenteil: Es ist grundsätzlich begrüßenswert, wenn man Breiten- und Spitzensport weltweit fördert. Ein solches U20 Team könnte auch beispielsweise aus Ruanda oder Bangladesch kommen, dass es aus China kommt, untermauert aber die damit einhergehenden finanziellen Motive des DFB. Denn in China werden seit kurzem staatlicherseits Millionenbeträge in den Fußball investiert, die heimische Liga wird mit Stars wie Hulk, Oscar oder Anthony Modeste aufgewertet und es werden lukrative Deals mit europäischen Ligen und Vereinen eingefädelt. Teilweise stehen bizarre Vorschläge im Raum, wie der von Adidas-Chef Kaspar Rorstedt, der gar ein DFB-Pokalfinale in China vorschlägt[1], aber es gibt auch deutlich handfestere Beispiele. So plant z.B. die englische Premiere League Anstoßzeiten zu Gunsten der TV-Vermarktung in Asien einzuführen[2] [3] und recht unbemerkt von der Öffentlichkeit hat die DFL den neuen Spieltermin Sonntag 13:30 Uhr eingeführt, der vermutlich nicht zufällig in die asiatische Prime-Time fällt. Ein Vertrag über 250 Millionen Euro wurde bereits im Herbst 2016 zwischen Ligaverband und einem chinesischen Anbieter abgeschlossen, dessen Inhalte bisher nur sehr vage an die Öffentlichkeit gedrungen sind[4].

Grundsatzentscheidung mit enormer Reichweite

Wenn der DFB hier nun ein solches Projekt ankurbelt, dann darf es nicht isoliert betrachtet, sondern muss im gesamten Kontext jener aktuellen Entwicklungen bewertet werden. Es offenbart ein grundlegendes strategisches Denkmuster von Seiten der Verbände und Funktionäre und folgt der gleichen Logik, mit der z.B. Weltmeisterschaften nach Katar vergeben werden. Die Hinwendung zum asiatischen Markt, verbunden mit der Aussicht auf ein Millionengeschäft, steht für ein grenzenloses Weiterdrehen der Vermarktungsmaschinerie. Dies wird der eigenen Basis, der Wertigkeit des hiesigen Amateurfußballs und den Vorstellungen der Fans vorangestellt.

Es stellt sich die Frage, warum der DFB sich lieber mit solchen Deals beschäftigt, statt sich um die tatsächlichen Bedürfnisse der unterklassigen Vereine zu kümmern? Viele Strukturen liegen seit geraumer Zeit im Argen, die Durchlässigkeit in höhere Spielklassen wird immer geringer, weil viele Vereine schlicht nicht mehr in der Lage sind, Auflagen zu erfüllen, die ein Aufstieg in eine nächsthöhere Spielklasse mit sich bringt. Manche Vereine verzichten gar darauf, Lizenzen zu beantragen, weil sie die gestellten Bedingungen nicht erfüllen können, wie z.B. der TSV Marl-Hüls[5]. In den betroffenen Regionalligen beklagen die Vereine seit Jahren, dass die Meister nicht direkt aufsteigen, sondern stattdessen zwei Relegationsspiele am Ende über den Erfolg einer gesamten Saison entscheiden. Hier besteht also vielfältiger, akuter Handlungsbedarf, der in der unmittelbaren Verantwortung des DFB liegt. Der Verband ist hier gefordert, im großen Stil bessere und faire Strukturen zu schaffen, in denen Aufstieg und Abstieg nachvollziehbar gestaltet werden und nicht, wie im Fall Pirmasens, Ergebnis von sportlich selbst nicht direkt beeinflussbaren Ereignissen sind[6].

Die Krone dieser Entfremdung von der eigenen Basis ist es nun, eine Antrittsprämie von 15.000 Euro an die teilnehmenden Vereine auszuschütten. Viele der betroffenen Vereine stehen mit einem Bein in der Insolvenz, auch und gerade durch die angesprochenen Auflagen seitens der Verbände sind sie daher fast gezwungen, das Geld anzunehmen. Von dem großen Geschäft in Asien allerdings werden langfristig andere profitieren, während der kleine Geldsegen vor allem kurzfristig dafür sorgt, dass kaum jemand aufbegehrt und grundsätzliche Fragen stellt. So kann der DFB weiter kritiklos an vergleichbaren Projekten schrauben, während sich für die Vereine nichts ändert. Der Wettbewerb verliert mehr und mehr an Wertigkeit, die bestehenden Probleme werden weiterhin ignoriert und die Vereine können sich finanziell irgendwann nicht mehr über Wasser halten. Mit der Prämie kauft sich der DFB gewissermaßen von seiner Verantwortung frei, ohne tatsächlichen Willen etwas zu verändern.

Bei einem Deal mit der Volksrepublik China kommt man zudem nicht umher, die Situation auch aus einem politischen Blickwinkel zu betrachten. Der Amnesty Jahresbericht zu China von 2016 beschreibt alarmierende Entwicklungen hin zu massiver Zensur, Überwachung und weitgehenden Eingriffen ins Private. Ebenso wird von „(…) weitverbreiteter Folter und anderweitigen Misshandlungen sowie unfairen Gerichtsverfahren(…)“ gesprochen. Weitere Aspekte des Berichts sind die Unterdrückung von Minderheiten, der intransparente Umgang mit der Todesstrafe, die Einschränkung von Religions- und Glaubensfreiheit, sowie die Beschneidung der Rechte auf Meinungsfreiheit[7].

Für die Machthabenden sind Investitionen im Sport offensichtlich auch immer ein Mittel, um das Volk zu unterhalten und die eigene Macht zu legitimieren – eine moderne Variante von „Brot und Spiele“[8]. Diese Problematik blendet der DFB jedoch einfach stillschweigend aus, äußert sich auch nicht dazu, dass Trainer und Funktionsteam der U20 einen Maulkorb von Oben verordnet bekommen haben. Die vielgepriesene Völkerverständigung ist so de facto unmöglich[9].

Mainz 05 hat eine Chance vertan – leider!

Insgesamt ist die Entscheidung über die Teilnahme an einem solchen Projekt unserer Auffassung nach nicht nur eine Entscheidung über ein einfaches Testspiel, sondern eine grundsätzliche, aber vor allem wegweisende und im schlimmsten Fall eben weitreichende. Das Spiel ist nur ein Symptom einer insgesamt zu kritisierenden Entwicklung, die wir Fans nicht widerstandslos und vor allem nicht wortlos hinnehmen dürfen. Damit ist nicht gemeint, dass Mainz 05 es ablehnen soll, wenn der 1.FC Köln eine astronomische Summe für Jhon Cordoba zahlt. Die völlige Entkoppelung finanzieller Verhältnismäßigkeiten solcher Geschäfte ist sicher zu kritisieren, aber folgt schlussendlich auch nur den bestehenden Verhältnissen des modernen Fußballs. Die Logik des Marktes mag unsere romantische Seifenblase ein ums andere Mal zum Platzen bringen, aber gewisse Werte und Ideale des Sports und der Vereine bleiben unverkäuflich.

Wenn wir auf unsere eigene Geschichte zurückblicken, wird uns klar, wie wichtig diese Werte und Ideale des Sports sind. Hätte es 1997 bereits die heutigen Rahmenbedingungen gegeben, unser Verein hätte den Weg der letzten 20 Jahre niemals gehen können. Er hätte nie um den Aufstieg spielen und sich ganz sicher niemals in der Bundesliga etablieren können. Die eigene Geschichte zu wahren, heißt eben auch, sie zu verteidigen. Vergessen wir nicht, wo wir herkommen und wie weit wir dabei als der „etwas andere Verein“ gekommen sind. Wir haben gezeigt, dass wirklich alles möglich ist im Fußball. Von der staubigen Aschenbahn zu Flutlichtspielen in der Euroleague – ganz ohne Hilfe eines Investors, sondern durch harte, solide Arbeit und vor allem unseren Glauben daran. Wir haben all den Naiven und Verrückten, den verliebten Fußballromantikern Mut gegeben, dass jeder Verein es schaffen kann. Wir waren Sinnbild für den magischen Moment, der diesen wundervollen Sport ausmacht. Wer, wenn nicht wir, weiß daher um den ständigen Kampf kleiner Vereine? Genau deshalb müssen wir uns auch damit auseinandersetzen und das Ganze nicht marginal als einfaches Testspiel abtun. Hier werden kleine Vereine langfristig in Bedrängnis gebracht.

Was den China-Deal betrifft, hätten wir uns daher gewünscht, dass Mainz 05 bei seiner ursprünglichen Haltung für den Fußball als gesellschaftlich-soziales Gut und gegen das Investmentprojekt geblieben wäre. Im ersten Moment war das „Nein“ unseres Vereins ein starkes Symbol dafür, dass man bereit ist, mit breiter Brust den eigenen Weg zu gehen und eben genau das zu tun, was uns doch so stark gemacht und soweit gebracht hat: Nicht blind dem folgen, was andere vorgeben, sondern den Mut haben, sich seine eigenen Gedanken zu machen, notfalls den Schneid und das Selbstbewusstsein haben, auszuscheren und vor allem sein eigenes Profil wieder schärfen. Ja, wir waren verdammt stolz darauf, dass unsere Nullfünfer nicht jeden Unfug mitmachen! Gerade, weil wir doch der „andere Verein“ sind, oder es waren?
Nach so einem stolzen Moment ist es natürlich umso bitterer, dass diese klare Haltung vollends im Nebel verschwand. Was jetzt steht, ist weder Fisch noch Fleisch. Die angekündigte Spende der Antrittsprämie zeigt lediglich, dass Mainz 05 als Bundesligist das Geld nicht so nötig hat wie andere. Für uns ist die getroffene Entscheidung daher keine Lösung und auch kein Kompromiss. Das klar abzulehnende Projekt wird letztlich gebilligt und promotet, während der Verein mit seiner Spende versucht, dem Ganzen noch einen mildtätigen Anschein zu verleihen. Wir haben in diesem Fall den Kontakt zu Mainz 05 gesucht und unsere Kritik in einem kontroversen, aber sachlichen Gespräch vorgetragen.

Wir wollen schon jetzt die Chance wahrnehmen, um anzukündigen, dass wir das Spiel gegen Chinas U 20 natürlich für Protest nutzen werden. Wir dürfen nicht länger wegschauen und Entscheidungen kommentarlos hinnehmen, sondern müssen hinterfragen und kritisieren! Wenn der DFB sich weiter von seiner Basis entfernt, dann muss er den Unmut zu spüren bekommen, direkt und sichtbar! Wir Fans sind gefordert, aber viel mehr noch die Vereine! Vor allem Vereine wie der unsrige. Hier muss eine Abkehr von Ja-Sager-Mentalität und vorauseilendem Gehorsam stattfinden. Nicht nur im Interesse der Fans, nicht nur im Interesse des Vereins – sondern im Interesse des gesamten Fußballs und der Vereinskultur!

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Q-BLOCK – DIE FANS VOM FSV

 

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[1] http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/adidas-chef-rorsted-pokalfinale-statt-in-berlin-in-shanghai-1.3464826

[2] http://www.dailymail.co.uk/sport/football/article-3946936/Premier-League-boosted-new-482m-China-TV-deal-flight-earn-12-times-year.html

[3] http://www.dailymail.co.uk/sport/football/article-4589516/Premier-League-consider-moving-22-games-11am-kick-offs.html

[4] http://www.taz.de/Deutsch-chinesischer-Fussballdeal/!5426481/

[5] http://www.fupa.net/berichte/marl-huels-beantragt-keine-lizenz-656124.html

[6] http://www.zeit.de/sport/2017-06/fussball-regionalliga-fk-pirmasens-juniorenteam-china

[7] https://www.amnesty.de/jahresbericht/2017/china

[8] http://www.zeit.de/2008/04/Chinaoeffnung

[9] http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.chinas-u20-gegen-grossaspach-das-reich-des-schweigens.5f98efda-8d0e-45cc-96b4-c4ca9111c9f5.html

Beim Heimspiel gegen Hertha BSC am Samstag, 15.4.17 von 12.30 Uhr bis 15.30 Uhr, organisieren die Fans vom FSV und Mainz 05 eine Typisierungsaktion zusammen mit der DKMS. Wir benötigen Unterstützung beim Ablauf.

Wer am Spieltag helfen möchte, meldet sich bitte unter qaritativ@q-block.de

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Q-BLOCK – DIE FANS VOM FSV

Gude Q-Block,
willst du Mainzer siegen seh‘n musst du zu den Amas geh’n.
Wer hätte es für möglich gehalten, dass man als 05er nochmal gerne zurück blickt auf einen Abend in Wiesbaden? Flutlicht, Bier und einfach geile Fußballatmosphäre und das auf der ebsch Seit. Die Amateure sind zurück im Abstiegskampf und benötigen nun mehr denn je unsere Stimme.
Wenn man einen Typ rund um die U23 als echten 05er verstehen kann, dann ist es ohne Zweifel Sandro Schwarz unser Trainer der Römisch II. Sandro war in den letzten Tagen nach dem grandiosen Abend in Wiesbaden absolut begeistert vom starken Rückhalt den wir dem Team in Wiesbaden verliehen haben. Nur mit uns im Rücken können die Jungs es packen im harten und zähen Abstiegskampf in Liga 3.
Jeder sollte sich lösen von diesem unsinnigen Machtkampf im Vorstand, was jetzt zählt ist der Abstiegskampf. Egal ob am Sonntag gegen Schalke oder am Samstag am Bruchweg gegen Kiel. Die Punkte müssen in Mainz bleiben.
Lasst uns erneut zum wichtigen Rückhalt für die Amateure werden. Geht zusammen mit uns ab für den Klassenerhalt! Wir treffen uns am Samstag ab 12:00 an der Eishalle und stimmen uns mit ein paar kühlen Getränken auf das Wochenende ein. Die Amas zählen auf uns!

Wir sind die Fans vom FSV!

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Q Block – Die Fans vom FSV

Con grande tristezza abbiamo appresodella morte di nostro fratello Peppino. Siamoscioccati e senza parole. I nostri cuori epensieri sono a Caserta a tutti gli amici e lafamiglia di Peppino.
Siamo addolorati per un uomomeraviglioso e un fratello che prima ora.
Sempre nei nostri cuori!

Mit großer Trauer haben wir vom Tod unseres Bruders Peppino erfahren. Wir sind schockiert und sprachlos. Unsere Herzen und Gedanken sind in Caserta bei allen Freunden und der Familie von Peppino. Wir trauern um einen wundervollen Menschen und einen Bruder der ersten Stunde.
Immer in unseren Herzen!

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Q Block – Die Fans vom FSV

Zum Heimspiel am Sonntag gegen den BVB möchte die Handkäsmafia Soliaufkleber verkaufen, deren Erlös komplett die Personen unterstützt, die von RB Leipzig mit einer hohen Schadenersatzforderung belegt wurden. Die Fanhilfe hat vor einigen Wochen bereits einen ordentlichen Geldbetrag gesammelt, den wir damit noch weiter aufstocken wollen. Damit wollen wir die finanzielle Belastung für die drei Betroffenen weiter verringern und unseren Teil dazu beitragen.

10 Aufkleber gibt es für 2,00 €

Die kompletten Einnahmen werden 1:1 gespendet.

Aufkleber sind ab 13.00 Uhr am Treffpunkt Bruchweg erhältlich und auch später im Stadion am Europakreisel bei den fliegenden Händlern! Augen offen halten und zugreifen!

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Q Block – Die Fans vom FSV

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Aufgrund des Schreibens vom Vorstand haben wir heute Nachmittag all unsere „Privilegien“ dem Verein überbracht. Da sie niemals Druckmittel im Umgang miteinander, sondern immer nur Werkzeug einer freien Kurve sein dürfen!

„Privilegien aller Art sind das Grab der Freiheit und Gerechtigkeit.“

(Johann Gottfried Säume, 1763-1810)

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Q Block – Die Fans vom FSV

Hallo Nullfünfer, auch wenn sich zurzeit Termin an Termin reiht, wollen wir euch noch mal an die anstehende Mitgliederversammlung diesen Sonntag erinnern! Wie der Name es schon sagt, ist es keine gängige Mitgliederversammlung – denn es stehen entscheidende Veränderungen in unserer Vereinsstruktur an. Eine neue Satzung bekommt unser Verein nicht mal so alle paar Jahre, deshalb rufen wir alle Mitglieder auf: Kommt am Sonntag um 11 Uhr in die VIP-Lounge des Stadion am Europakreisels und bringt euch ein für die Zukunft unseres Vereins! 

Alle weiteren Infos gibt es hier!

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Q-BLOCK – DIE FANS VOM FSV

Gude 05er!

Morgen ist es also so weit: 2726 Tage, nachdem in Leipzig ein gewisser e.V. namens „RasenBallsport“ gegründet wurde, wird nun auch unserem geliebten FSV die zweifelhafte Ehre zuteil, dem Ableger dieses Vereins – der RBL GmbH – einen Besuch abzustatten.

Aus diesem Anlass wollen wir uns nun an euch richten. Spiele gegen RB Leipzig lassen Stellungnahmen und Positionspapiere der deutschen Fanszenen bekanntlich nur so aus dem Boden sprießen; nun kommen auch wir nicht mehr umhin, ein öffentliches Statement beizusteuern zu dem bereits angehäuften Berg an Protest- und Boykott- und Nichtboykottaufrufen.
Dass die aktive Mainzer Fanszene morgen im Zentralstadion für Stimmung sorgen wird, dürfte zu diesem Zeitpunkt keine Überraschung mehr sein, wird doch bereits seit längerem ein Sonderzug nach Leipzig beworben. Die Entscheidung, das Spiel nicht zu boykottieren, war tatsächlich auch weniger umstritten, als man zunächst vielleicht annehmen könnte. Der Grund dafür ist eigentlich ein ganz einfacher:

Wir verstehen uns – Mainz 05 – als einen Gegenentwurf zum sterilen und mit Geld aufgeblähten Leipziger Fußballprodukt. Die Geschichte, die Mainz 05 in den vergangenen zwei Jahrzehnten geschrieben hat und die Mainz 05 – das ist noch wichtiger – heutzutage weiterschreibt, ist der Beweis und das Paradebeispiel dafür, dass erfolgreicher Fußball tatsächlich noch handgemacht sein kann.
Denn noch in den 1990er Jahren hatte und war unser Verein nichts. Doch mit jedem neuen Jahr, mit jeder Saison, mit jeder guten Entscheidung und auch mit jedem Fehler machte Mainz 05 einen kleinen Schritt vorwärts. Immer wieder verbesserte man seine Ausgansposition ein kleines bisschen, um jene dann anschließend wieder zu nutzen. Mainz 05 setzte einen Fuß vor den anderen, clever, beständig und bodenständig. Man stieg endlich in die erste Liga auf, drei Jahre später wieder ab, ohne dass der Verein ins Wanken gekommen wäre. Zwei Jahre später gelang 05 der Wiederaufstieg – Ein Blick in die zweite Liga verrät, wie schwierig dieses Kunststück tatsächlich ist.

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Inzwischen ist der 1.FSV Mainz 05 e.V. ein etablierter Bundesligist, umgeben von 15 GmbHs und AGs und wie sie nicht alle heißen, die trotz höheren Etats in der Tabelle regelmäßig hinter dem FSV zurückbleiben. Wir spielen sogar Europa-League, auch wenn das – euphemistisch ausgedrückt – meistens nicht so gut läuft. Wir können dennoch unglaublich stolz sein auf unseren Verein und seinen einzigartigen Werdegang, der eine einzige Erfolgsgeschichte ist.

Unser morgiger Gegner ist ebenfalls erfolgreich. Und einzigartig in Deutschland. Das war´s dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Das, was in Mainz langsam herangewachsen ist, wurde in Leipzig binnen sieben Jahren übers Knie gebrochen. Hier wurde ein Teilnehmer des Bundesligabetriebs einzig zu Werbezwecken herangezüchtet, um eine PR-Trophäen-Jagd zu inszenieren. Das Projekt existiert allein für den Erfolg, denn nur der bringt die gewünschte Publicity. Das Ziel sind Fotos von RedBull-Trikots, die den Champions-League-Pokal gen Himmel stemmen.
Dass der Stadt Leipzig dabei Bundesligafußball und sportliche Infrastruktur beschert wird, ist nur Nebensache und Teil des Marketingkonzepts. Wenn in ganz Sachsen nur elf Männer Fußball spielen würden, wäre RedBull das Recht – solange diese elf für RedBull gewinnen und damit den Mythos des Extremsportler-Getränks zur omnipräsenten Tatsache erheben.
Mit Kooperations- und Ausbildungsvereinen betreibt RedBull zudem eine Wettbewerbsverzerrung, die weit darüber hinausgeht, seine Konkurrenten wirtschaftlich auszustechen.

Das morgige Duell zwischen RedBull und unserem FSV versinnbildlicht geradezu die Gegensätze des wirtschaftlich erzwungenen und des sportlich erkämpften Erfolges. Kein anderer Gegner verdeutlicht also die einzigartige Entwicklung unseres Vereins so sehr wie RB Leipzig. Warum Mainz 05 es allerdings nicht fertigbringt, die Unterschiede herauszuarbeiten und zu betonen, wird man nie erfahren. Anstatt die eigene Identität als frecher Emporkömmling zu betonen und die beiden „etwas anderen Vereine“ RB Leipzig und Mainz 05 gegenüberzustellen, wird RB in der Stadionzeitschrift hofiert, als müsse man sich einschleimen. Da darf man sich jetzt schon gruseln, was „Der 05er“ wohl beim Rückspiel so verzapft.

Wir als Fans wollen jedenfalls immer wieder unser Alleinstellungsmerkmal – den Weg unseres Erfolges – herausstellen und feiern. Das werden wir in München, in Hoffenheim, in Hamburg, in Wolfsburg. Und das werden wir auch in Leipzig. Deshalb kommt es für uns auch überhaupt nicht in Frage, das Spiel zu boykottieren.
Also rafft euch auf, fahrt nach Leipzig und unterstützt Mainz 05 gegen dieses beschissene Marketing-Projekt! Wir sind anders und geiler! Alle nach Leipzig!

PS: Wir wollen euch an dieser Stelle noch ans Herz legen, sich etwas näher mit der RB-Thematik zu befassen. Nicht nur, weil es interessant ist, sondern auch, weil die Diskussion um RB Leipzig oftmals oberflächlich und unzureichend geführt wird. Das unerträgliche Leipzig-Bashing gipfelte erst jüngst wieder in einem hirnlosen Rap-Song.
Da fallen dann so unsägliche Begriffe wie „Ungeziefer“ oder „Rattenball“. Ist ja nichts Neues. „Fußballmörder“ hat noch gefehlt. Solche Unwörter können die Vorgänge von Leipzig weder vernünftig beschreiben, noch eine vernünftige Kritik formulieren. Sie sind einfach nur dumm und stellenweise gefährlich.

Daher wollen wir hier auf einen Text verweisen, der im Sommer 2015 im Kurvenmagazin „Doppelrad“ erschienen ist und sich sowohl mit dem Konstrukt selbst, als auch mit fehlgeleiteter sowie berechtigter Kritik beschäftigt. Außerdem stellt er die Frage nach einem Boykott.
Da wir euch den Text wärmstens empfehlen können und (leider) nicht alle ein „Doppelrad“ zu Hause liegen haben – gibt es hier den Text als pdf-Datei.

Viel Spaß beim Lesen, es lohnt sich!

Doppelrad – Thema RB Leipzig

DIE FANS VOM FSV

In einem älteren Mainzer Fangesang heißt es „wir sind die Fans vom FSV – uns gibt es in rot-weiß und manchmal auch in blau…“. Mit dem Blau wurde zunächst nur Bezug genommen zur damaligen Farbe des Auswärtstrikots, ehe ein paar Fans spontan den eigenen Gesang auf die Schippe nahmen. Fortan endete das Lied mit einem „und meistens sind wir blau“. Es war die Phase nach den Hochzeiten der Hooligans als eine alternative, recht überschaubare Fanszene die raue Stadionumgebung vielerorts neu prägte.
Damals waren es recht kleine Personenkreise, die eine neue Fankultur auf die Stehränge brachten. Die eine buntere, kreativere Fankultur entstehen ließen und die vorherrschenden Denkweisen damit revolutionierten. Spontane Gesänge, wie das oben erwähnte Mainzer Beispiel waren typisch für diese Epoche. Zu jener Zeit entstanden reihenweise Fanzines, heutzutage gibt es sogar das bundesweite Magazin „11 Freunde“, das aus dem Zeitgeist dieser Fangeneration entstand. In Mainz war zunächst die Gegengerade Heimat für diese Entwicklungen, bevor die Fans auf der neuen Südtribüne im Q-Block ihre Heimat fanden.
Ein paar Jahre später schwappte dann die Ultrakultur über die Alpen in Deutschlands Kurven und mit ihr auch eine neue Form des Supports. Die Ultras setzen ebenfalls auf Kreativität mit ständig neuen Liedern, zahlreichen Fahnen und bunten Kurvenshows, der höhere Grad an Organisation führte auch zu weniger Spontanität, war dafür aber deutlich massentauglicher. Auch in Mainz sind die Ultras in den vergangenen Jahren zu der präsentesten Gruppe innerhalb der Fanszene geworden. Viele neue Leute kamen und gingen über die Jahre, aber die Liebe und Verbundenheit zu Mainz 05 verband dabei Generationen.
Mit dem Q-Block Slogan „Die Fans vom FSV“ wollen wir daher eine Symbiose schaffen, die alledem gerecht wird. Einerseits an die Anfänge der Fankultur in Mainz erinnern und sie gleichzeitig ständig und dauerhaft mit neuem Leben füllen. So kann und soll sich jeder darin wiederfinden können. Ein Spagat zwischen Moderne und Tradition, die unserer Mainzer Fankultur eine Einzigartigkeit und Besonderheit bewahrt. Bereits in letzter Zeit wurden deshalb wieder häufiger Lieder von früher mit ins Repertoire genommen, gleichzeitig finden neuere Stilmittel Anwendung.

So findet ihr seit kurzem unter anderem ein Graffiti mit dem Slogan „Die Fans vom FSV“ zwischen dem Q- und R-Block auf der Rheinhessentribüne. All unsere Gesänge, Fahnen und Aktionen sollen Eckpunkte bilden, die das Gemeinschaftsgefühl der Kurve stärken sollen. Es geht nicht um die normalen oder älteren Fans, nicht um die Ultras oder Supporters. „Die Fans vom FSV“ sind dabei wir alle, die gemeinsam in der Kurve stehen, zusammen auswärts fahren oder unseren Verein auf jede erdenkliche Weise unterstützen, leben und atmen.

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Q-BLOCK – DIE FANS VOM FSV